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WAS IST DENN DAS?
"Guck mal, da startet ein Motorsegler." "Quatsch, hörst Du denn was?" "Ne". "Also, sag ich doch, ist ein Segelflugzeug". "Schau aber, der steigt doch".- "Hm, dann muß das ja doch ein Motorsegler sein. Wie funktioniert denn das, daß wir nichts vom Motor hören?"
Erstaunen und Ratlosigkeit machen sich breit und dann Neugier.
Nachdem wir dieses Gespräch "belauscht" haben, gehen wir zum Motorseglerstart in Oerlinghausen und treffen Stefan Gehrmann. Er lüftet das Geheimnis und erklärt uns das Prinzip. Im Oktober 1991 begannen die Planungen zu einem Elektrosegelflugzeug. In einem speziellen Simulationsprogramm können die Einzelkomponenten von Flugzeug, Propeller, Getriebe, Motor, Steuerung und Batterie in ihrem Zusammenspiel beschrieben, untersucht und optimiert werden. Die Berechnungen wurden auf das italienische Basismodelt "Silent" angepaßt. 1998 erhielt der AE-1 Silent als erstes Elektroflugzeug der Welt die Musterzulassung als Ultraleichtflugzeug.
Nun werden wir in das UL eingewiesen. Als wir den Elektromotor sehen, können wir nicht glauben, daß so ein kleiner Motor und dazu noch gedrosselt ein Flugzeug in die Luft bringt. Schnell sind wir mit dem Gerät vertraut gemacht. Drei Handgriffe zur Mechanik, drei zur Elektronik und schon kann es los gehen.
Rein gesetzt ins geräumige Cockpit, angeschnallt, noch einmal vertraut machen mit den Handgriffen und den Instrurnenten, Startcheck, Motor an und Vollgas. Überraschung - die Geräusche sind angenehm niedrig und der Silent beschleuningt. Keine 200 m Rollstrecke und mit 2 bis 2,5 m/s bei 85 bis 90 km/h geht es gegen den Teuteburger Wald aufwärts. Trotz hoher Temperatur hat das UL gute Leistungen, eben kein Verbrennungsmotor. Schnell sind 600 m Höhe erreicht und die "Ladeanzeige" ist noch halb voll. Wieder die zwei mal drei Handgriffe und problemlos ist der Propeller zügig eingeklappt.
In der Thermik steigt der kleine Flieger mit den anderen Segelflugzeugen mit. Die Ruderabstimmung ist gut und die Wirkung recht direkt. Einmal abwarten wie er gleitet. Die Gleit- zahl von 30 entspricht der der Ka 6 E. Über mir fliegt Falko mit dem Discus Richtung Bielefeld. Gleich werde ich im schnelleren Flug gegenüber dem Discus "abstürzen". Die Querruder werden über ein Gestänge auf negativ gewölbt und mit 160 km/h wird der Discus verfolgt. Fünf Minuten später ist Bielefeld erreicht und der Höhenverlust hält sich erstaunlicherweise in Grenzen. Wieder zurück nach Oerlinghausen jagen, ein paar Kreise in der Thermik fliegen. Jetzt werden Langsamflug und Abkippen aus- probiert. Ich kann den Knüppel langsam voll durchziehen und der Silent bleibt steuerbar. Geht die Fahrt unter 65km/h, warnt der Silent ab 65 km/h mit schütteln. Das dynamische Überziehen mit provoziertem Abkippen ist leicht zu beherrschen. Kurvenwechsel von 45° Querneigung zu 45° dauern gerade drei Sekunden. Schon warten die anderen. Slippen geht, ist aber nicht notwendig, weil die Luftbremsen sehr gut wirken. Die Landung verläuft wie mit einem guten Segelflugzeug.
Durch das leichte Gewicht läßt er sich bequem hantieren. Wir schieben das "Segelflugzeug-UL" an die Ladestation am 380 Volt Stromanschluß an der Halle und nach knapp 20 Minuten sind die Akkus wieder voll. Sie sollen zwischen 500 und 700 Ladevorgängen aushalten. Der nächste kann fliegen.
Alle Maurice, Achim und ich hatten die selben positiven Überraschungen. Das Schwärmen ging noch bis in den Abend. Der AE-1 Silent ist ein robustes Gerät, mit niedrigen Betriebskosten, fast wartungsfrei, umweltfreundlich (max. 43 dB(A)) und leicht auch alleine zu hantieren, vom Aufbauen, Schieben oder Ziehen bis hin zum Segelfliegen mit wenig Zeitaufwand. Bis Herbst nächsten Jahres sollen vier weitere "Siient" fertiggestellt sein, eine echte Alternative zur anderen UL-Fliegerei.
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